MARTIN SIEGHART - DIRIGENT


  • Martin Sieghart
  • Martin Sieghart
  • Martin Sieghart
  • Martin Sieghart
  • Martin Sieghart

Sie können unter "Dokumentation" ein Portait des Holländischen Fernsehens über mich abrufen: "Ik adem muziek" - "Ich atme Musik". Dieser sehr liebevoll gestaltete Film, sagt mehr über mein Leben aus, als es persönliche Worte können (mit englischen Untertiteln).


Ich glaube, es war und ist mir im Grunde unwichtig, in welcher Form ich Musik machen darf. Und das "Dürfen" ist mir ein entscheidendes Wort dabei. Ich darf mit Musik leben, vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen dreht sich in meinem Leben alles um Musik. Aber dass ich zu guter letzt Dirigent geworden bin, ist eher zufällig geschehen. Es hätte das Violoncello weiter im Mittelpunkt stehen können, oder die Orgel. Das Klavier begleitete mich als einzige Form des Musizierens immer und wird es auch in Zukunft tun. Selbst komponieren? Es drängt mich nicht dazu. Und daher kann es wohl nicht meine Berufung sein. Die liegt in der Interpretation. Und die wird immer schwieriger. Wie herrlich unbekümmert konnte man als junger Mensch mit den Werken Anderer umgehen. Oftmals gar nicht schlecht, häufig vom Instinkt bestimmt. Und je älter man wird, umso mehr hinterfragt man und verwirft man und ist ratlos vor dem Kosmos einer Symphonie. Und doch ist das zutiefst beglückend: Erkennen dürfen, dass es eine "Wahrheit" ganz einfach nicht gibt macht neugierig, sich dieser zu nähern. Immer wieder neu beginnen hält jung.


Über Musik:
Könnte ich doch nur ein wenig einschränken! Dass Bruckner und Mahler in meiner Karriere so wichtig geworden sind, hat mit meiner Familie zu tun: Das waren die Götter meines Elternhauses, ebenso wie Wagner und Strauss.
Aber sagt man nicht bei Strauss so gerne: Mein Gott, hat der komponieren können! Und wenn man die As-dur Messe vom Schubert hört, sagt man nichts mehr, weil man die Worte nicht findet, die die Tränen ersetzen können.
Ein und dieselbe Mozartoper sollte man nie häufiger als in Abständen von 5 Jahren neu produzieren. Und das mit einer frischen Partitur, die man sich aufs Neue erarbeitet. Nur so nähert man sich dem Unbegreiflichen dieser Musikdramen.
Es gibt keinen größeren Symphoniker als Beethoven. Für mich ist jedes Jahr ein Beethovenjahr.
Wenn ich über Ehrlichkeit in der Musik nachdenke, weiß ich keinen, der reiner geschrieben hat als Verdi.
Auf der Suche nach den letzten Weisheiten müßte ich viele nennen, und doch bleibe ich bei den beiden größten "9 ten" hängen: Bruckner und Mahler.
Das Größte? Ohne Frage die Matthäuspassion. Sie ist so unfassbar, dass ich keine Worte für diese Behauptung finde.
Und die vielen Anderen? Haydn, Brahms, Monteverdi, Schönberg, Schumann, was weiß ich wer! Ich werde wieder über meine Lieblinge schreiben.


Über das Dirigieren:
Das Dümmste, das man seinen Schülern sagen kann, ist: Ihr habt das herrlichste Instrument der Welt vor euch. So lernen sie, Menschen zu verachten, die nicht selten viel begabter sind als sie selbst.
Lehre deine Studenten, mit Musik zu atmen: Der Sänger muß es tun, der Bläser auch. die Pianisten, die Streicher und wir haben es verlernt.
Versuche nie, eine Dirigierschule zu entwickeln. es gibt sie nicht.
Lehre deine Studenten, dass nicht nur das "was", sondern auch das "wie" ihrer Bitten an den Chor, das Orchester, die Sänger etc. entscheidend ist.
Mische dich nie in ihre Tempi ein. Damit zerstörst du ihnen ihre Musik. Lasse sie die Erfahrung selbst machen, was spielbar ist und was nicht.


Ach Gott, und meine größten privaten Freuden?
Dass die Kinder ihr Leben mögen, so, wie es ist. Dass ich auf meinem Segelschiff jene Geduld und schnelle Reaktionsfähigkeit übe, die ich am Podium brauche. Dass meine Frau noch immer die beste Despina ist, die ich kenne, dass ich vielleicht wieder einmal Festspiele mitgestalten darf